Story

In einer Winternacht stirbt ein Mädchen, brutal zugerichtet und erfroren. Jack wird für diesen Mord verurteilt. Als er nach 15 Jahren aus der Haft entlassen wird, avanciert der „Häfnpoet“ zum Frauenschwarm und Fixstern der Wiener Society. Kann sich ein Mensch grundlegend ändern? Oder bleibt ein Mörder immer ein Mörder?

Cast & Crew

ELISABETH SCHARANG ÜBER JOHANNES KRISCH:
„Ich war fünf Jahre lang in stetigem Kontakt mit ihm für diesen Film. Er sollte Jack spielen, das ist seine Rolle; auch wenn er als Mensch so ganz anders ist. Aber Johannes kann hinter einer Maske verschwinden, er kann sich transformieren. Und ich wusste: Er hat das Vertrauen zu mir, an die Grenzen zu gehen und dort alles auszuloten, was zu holen ist – an Emotion, an Überraschung und Intensität.“

Gefördert von Österreichisches Filminstitut, FISA – Filmstandort Österreich, Filmfonds Wien, ORF Film/Fernseh-Abkommen, Land Salzburg und Cine Art

FESTIVALS

Europapremiere
68. Festival del film Locarno, 8. August 2015, Piazza Grande

68. Festival del film Locarno


Internationale Premiere
Toronto International Filmfestival, September 2015

Toronto International Filmfestival


PRESSESTIMMEN

ORF: Filmfestival Locarno mit Weltpremiere von Scharangs „Jack“

DIE PRESSE: Elisabeth Scharangs "Jack" feiert Weltpremiere in Locarno

KURIER: Film über Jack Unterweger feiert in Locarno Premiere

INDIWIRE: Locarno Film Festival Announces 2015 Lineup with Few Women ...

VARIETY: Locarno: 'Jack,' 'Heimatland,' ''Olmo' in Fest Run-up Sales News

FILMZITATE

Jack
„Manchmal sehe ich dich. Um den Baum geschlungen. Ein Stück Rinde. Unnahbar. Du kleines totes Mädchen. Teil eines ewigen Albtraums.“

Jack
„Ich habe von meiner Mutter geträumt, sie hat mich ausgelacht. Auf allen Vieren verschwand sie in der Dunkelheit. Ein Hund mit feuerroten Augen und einer Zunge, die alles verschlingt.“

Jack
„Die Schritte am Gang klappern wie die Schritte in meinem Kopf. Ich zähle die Schritte jeden Tag und jede Nacht. Seit 15 Jahren.“ Jack „Ich höre meinen Atem. An manchen Tagen nicht einmal das. Die eigene Existenz schnürt mir die Kehle zu.“

Jack
„Ich suche nach Worten, um von meinem Damals wegzukommen. Aber die Zeit läuft. Die Zeit läuft, nur meine Zeit steht.“

Ziehhofer
„Ist doch schön, dass es da draußen Menschen gibt, die das sehen, die Sie unterstützen. Aber wird das genügen? Um Sie zu beruhigen, um den Dämon Einhalt zu gebieten, wird es genügen.“

Marlies
„Meine Freunde, darf ich vorstellen: Mr. Jack Unterweger, Literat und erfolgreicher Frauenmörder.“

Marlies
„Ein Häfnpoet in Freiheit verliert schnell seinen Reiz. Dein Kapital ist deine Vergangenheit, wäre schön, wenn du das endlich kapierst.“

Jack
„Frauen mögen es nicht, wenn du permanent über dich redest. Sie wollen, dass du ihnen zuhörst, dich für sie interessierst. Du musst ihnen die Chance lassen, dir alles zu geben.“

Charlotte
„Ich bin sechs Mal umgezogen und habe drei Mal meinen Namen geändert. Irgendwann vergessen die Leute, wer man ist. Schade, dass du mich nicht vergessen hast.“

Musik

Oliver Welter und Herwig Zamernik, die Köpfe der österreichischen Popband Naked Lunch, hatten schon für den Film „Franz Fuchs – Ein Patriot“ mit Elisabeth Scharang zusammengearbeitet. Oliver Welters Stimme übersetzt im Film die Emotionalität und die Zerrissenheit der Hauptfigur auf eine musikalisch besondere Art. Der Originalsoundtrack von Naked Lunch ist für die Regisseurin ein eigenes Kunstwerk im Film; textlich und musikalisch macht die Musik Räume von Jack auf, die man anders nie zu sehen bekommen würde.

WEEPING DOG

Naked Lunch Website


Nakedlunch Musik

© Thimfilm

DER FALL JACK UNTERWEGER

Eine Chronologie von Informationen und Fakten zu dem wahren Kriminalfall, zusammengestellt von Maria Motter

Jack Unterweger war des Mordes an elf Frauen sowie der vorsätzlichen Körperverletzung an einer Frau angeklagt. Drei Morde sind in Los Angeles begangen worden, einer in Prag und sieben in Österreich, verteilt über das Land und in einem Zeitraum von 1990 bis 1992. Jack Unterweger galt als der erste transkontinentale Serienkiller.

Gegen 21 Uhr am 28. Juni 1994 wird Jack Unterweger in Graz/Österreich wegen neunfachen Mordes schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Richter ordnet die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher an. In zwei Fällen erfolgen Freisprüche. Das Urteil der Geschworenen ist nicht einstimmig: Zwei der Geschworenen plädieren für Freispruch in allen Mordfällen. Sofort nach der Urteilsverkündung legt Unterweger die Rechtsmittel der Nichtigkeitsbeschwerde und der Berufung ein.
Jack Unterweger gibt in der Hauptverhandlung zu Protokoll: „Ich fühle mich zu den 11-fachen Mordanschuldigungen nicht schuldig; ebenso fühle ich mich nicht einer Körperverletzung an Frau Z. schuldig.“ Des Weiteren: „Ich bin unschuldig und brauche nicht um ein mildes Urteil heischen.“
In der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1994 erhängt sich Jack Unterweger in seiner taghell erleuchteten Zelle mit den Schuhbändern seiner Turnschuhe und der Kordel seiner Jogginghose an einer metallenen Querverstrebung.
Das wenige Stunden zuvor verkündete Urteil ist somit niemals rechtskräftig geworden.
Will man heute die Hauptverhandlung und die Entscheidungen des Gerichts im Fall Jack Unterweger nachvollziehen, stößt man schnell an Grenzen. Im Keller des Grazer Straflandesgerichts stehen massive Holzschränke und in einem wird der Akt Unterweger gelagert. Oder zumindest jene Teile, die davon vorhanden sind. Im Protokoll der Hauptverhandlung wird auf Lichtbildmappen und Beilagen hingewiesen, die nicht mehr auffindbar sind.
In Medienberichten zum Zeitpunkt der laufenden Verhandlung war von einem „Knotengutachten“ die Rede, das Unterweger belaste. Aber ein „Knotengutachten“ im Sinne eines tatsächlichen Gutachtens gab es nicht, nur eine Zeugenaussage der US-Amerikanerin Lynn Herold. Sie wird als Gerichtsmedizinerin für den Bezirk Los Angeles im Protokoll geführt.
Lynne Herold verweist in ihrer Zeugenaussage in Graz auf ihre eigenen Aussagen in Beilagen, die heute nicht mehr im Schranklager im Grazer Straflandesgericht auffindbar sind. Auch jene Lichtbilder fehlen, anhand derer Lynne Herold die Knoten der in den USA ermordeten Frauen mit jenem Knoten im Mordfall einer Österreicherin vergleicht – diese wurde am 16. April 1991 zuletzt lebend gesehen; die Leiche der Frau wurde am 21. Mai 1991 im Wiener Schottenwald gefunden. Die entsprechenden Lichtbildmappen, auf die im Protokoll der Hauptverhandlung verwiesen wird, befinden sich nicht beim Akt im Schranklager; sie sind bei der Einsichtnahme in den Akt nicht auffindbar.
Auch andere Teile des Aktes fehlen, leere Flügelmappen finden sich im Schrank zwischen Papierstapeln und einem kleinen Karton mit Musikkassetten. Die Kassetten tragen handschriftliche Bezeichnungen. Daneben stecken Fotos, die Jack Unterweger privat zeigen.

1992 flüchtet Jack Unterweger vor seiner Verhaftung von Österreich nach Miami. Er wird dort von den amerikanischen Behörden verhaftet.
Ein Jahr zuvor, im Sommer 1991. Im Großraum Los Angeles werden in jenem Sommer an die vierzig Prostituierte ermordet. Jack Unterweger reist in die USA, nach Los Angeles, um dem Filmregisseur Robert Dornhelm einen Besuch abzustatten; Unterweger hatte den Plan, seine Lebensgeschichte von Dornhelm verfilmen zu lassen.
Im Zeitraum seines Aufenthalts werden drei Frauen ermordet. Ursprünglich hatte die amerikanische Polizei in Los Angeles diese drei Mordfälle mit einem weiteren Mordfall in Zusammenhang gebracht. Dieser vierte Mord war jedoch verübt worden, bevor Jack Unterweger in Los Angeles angekommen war.
Die Blut- und DNA-Untersuchung der amerikanischen Behörden ergeben keine Übereinstimmung der Spuren an den Leichen. Deshalb wird Jack Unterweger von den amerikanischen Behörden 1992 nicht wegen Mordes angeklagt. Stattdessen wird er an die österreichischen Behörden ausgeliefert.
In Österreich wird Unterweger für die drei Morde in den USA verurteilt.
In den anderen Mordfällen, die Jack Unterweger angelastet werden, verweist die Anklage auf Parallelen der Tötungsart. Auch das Bewegungsprofil wird von den Ermittlern angeführt, es zeige Unterweger in der Nähe der Tatorte zu den Tatzeiten. Wobei bei mehreren der ermordeten Frauen die Tatzeit nicht mehr festgestellt werden konnte, da die Leichen teilweise erst Monate nach der Tat aufgefunden wurden. Bei keiner der Leichen, die man in Österreich gefunden hatte, stand der Tatort fest; es konnten lediglich die Orte ermittelt werden, an denen die Leichen abgelegt und später aufgefunden wurden.

Quellen: APA, Protokoll der Hauptverhandlung, private Korrespondenzen Jack Unterwegers; Recherchegespräche mit Max Edelbacher, Ernst Geiger, Hans Breitegger und anderen; Astrid Wagner: „Mörder Dichter Frauenheld: Der Fall Jack Unterweger“. Leipzig: Militzke, 2001

ELISABETH SCHARANG

Elisabeth Scharang wurde am 3. Februar 1969 in Bruck an der Mur als Tochter des Schriftstellers Michael Scharang geboren. Sie begann Ende der 1980er-Jahre, als Journalistin und Moderatorin der Radiosendungen ZICKZACK und MUSICBOX beim ORF zu arbeiten und ist bis heute für FM4 und Ö1 tätig. Seit 1997 arbeitet sie als freie Regisseurin und übernimmt bei ihren Dokumentarfilmen die Kamera. Die Drehbücher ihrer Spiel- und Dokumentarfilme schreibt Elisabeth Scharang zumeist selbst.

Elisabeth Scharang

© Thimfilm

REGIESTATEMENT

Ich weiß nicht, ob Jack Unterweger die elf Morde, für die er 1992 in Graz vor Gericht stand, begangen hat. Ich wüsste es gerne. Weil elf Frauen tot sind – und der mutmaßliche Täter ebenso. Und weil ich in einem Rechtsstaat leben möchte, der – im Zweifel für den Angeklagten – juristisch sorgfältig arbeitet.

Nach zwei Jahren Recherche, von 2008 bis 2010, hatte ich alles zusammen, um einen großen Dokumentarfilm zu machen. Nur die Hauptfigur fehlte. Die hatte sich 1994, nach dem Urteil in erster Instanz, das Leben genommen.

Aber sie war der Schlüssel zu der Geschichte.

Nach einem weiteren Jahr und drei Versuchen, die Geschichte des Jack Unterweger auf eine fiktionale Ebene zu heben, wollte ich aufgeben. Die Faszination der Hauptfigur konnte nicht eingefangen werden.

Ich bin schließlich zum Anfang gegangen: zu dem ersten Mord 1974, für den Jack Unterweger verurteilt wurde und bei dem er geständig war. Das erste Opfer und die Frage der Schuld sowie Jacks Umgang mit der Schuld sind zur Triebfeder der Geschichte geworden.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich von den Fakten gelöst und meine Interpretation der Geschichte entwickelt. Ich habe mich über die Frauenfiguren diesem Mann genähert, den ich selbst kurz nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis persönlich kennengelernt habe. Die vier Begegnungen, die ich mit dem realen Jack Unterweger Anfang der 90er-Jahre hatte, haben mir geholfen, mich aus der Falle der Klischees und Mythen zu befreien. Unterweger war eine Projektionsfläche, die alles widergespiegelt hat, was man in ihm sehen wollte: den Häfnbruder, den Schauspieler, den Lover, den Dichter, das Opfer und den Täter. So wünscht man sich die Hauptfigur in einer Geschichte! Nur, dass es diese tatsächlich gegeben hat.

Hat das etwas verändert, dass der Geschichte eine reale Figur zugrunde liegt? Ja – vor allem in der Außenwahrnehmung.

Jede und jeder in Österreich hat eine Meinung zu Jack Unterweger; und diese platzt heraus wie unter Verschluss gehaltene Lava, sobald ich seinen Namen erwähne.

Im Juni 2014 war die Endfassung des Drehbuchs abgeschlossen.

IMPRESSUM / KONTAKT

JACK
Österreich 2015
Kinostart: 11.9.2015
www.jack-film.at


VERLEIH
Thimfilm GmbH
Leitermayergasse 43/4, 1180 Wien
www.thimfilm.at


PRESSE-KONTAKT
Michaela Englert
Tel.: +43 699 19463634
E-Mail: englert@thimfilm.at


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